Absolute Kontraindikationen

Im vorangegangenen Abschnitt ging es um Kontraindikationen allgemein und besonders um relative Kontraindikationen. Hier wurde deutlich, dass fast jede Kontraindikation relativ ist und von Fall zu Fall individuell unterschieden werden muss.

Dennoch gibt es zumindest eine absolute Kontraindikation: Das Alter. Bei Menschen im Wachstum, also Teenagern und Kindern, ist eine Implantation aus ethischen, funktionellen und gesundheitlichen Gründen abzulehnen. Ist das Kieferwachstum noch nicht abgeschlossen, kommt es in sehr vielen Fällen noch zu Zahnverschiebungen. Nicht selten werden diese kieferorthopädisch behandelt. Ein Implantat wäre hier störend, denn im Gegensatz zu natürlichen Zahnstrukturen, lässt sich ein Implantat nicht verschieben. Auch der Zahnersatz müsste, weil die Zähne mit dem Wachstum in der Regel größer werden oder eine andere Form bekommen, gerade bei Kindern regelmäßig erneuert werden.

Nicht zuletzt kann gerade bei Kindern auch noch keine ausreichende, umfangreiche Mundhygiene sichergestellt werden, wie sie für Implantate und Implantatträger erforderlich sind.

Nach oben hin ist die Altersgrenze weit weniger konkret. Hier entscheidet oft der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten, ob in Anbetracht des Alters eine Implantation sinnvoll ist. Die Lebensqualität ist hier das entscheidende Stichwort. So kann bei einer 95-jährigen Patientin ein Implantat durchaus sinnvoll sein, wenn beispielsweise aufgrund einer schlecht sitzenden Prothese das Essen schwer fällt und so der allgemeine Ernährungszustand schlecht oder gefährdet ist. Die soziale Ausgrenzung, die durch eine schlecht sitzende Prothese entstehen kann, ist ebenfalls nicht außer Acht zu lassen.

Ein anderer Patient kann sich eventuell auch mit einem gut sitzenden, herausnehmbaren Zahnersatz wohl fühlen. Hier können Kosten und Risiken einer Implantation gespart werden. In Bezug auf Senioren ist also die Entscheidung für oder gegen eine Implantation ebenfalls eine Einzelentscheidung, die individuell getroffen werden muss. Letztendlich entscheidet der Patient selbst - nach einer ausführlichen und individuellen medizinischen Beratung unsererseits.