Relative Kontraindikationen

Die gute Nachricht zuerst: relative Kontraindikationen sind kein absolutes Ausschlusskriterium für eine Implantation. Weil wir eine Implantation inzwischen minimalinvasiver durchführen können und gleichzeitig durch eine ausgezeichnete Technik auch bei der Planung einer Implantation bereits mehr und mehr Aspekte berücksichtigen können, hat sich heute so manche absolute Kontraindikation zur relativen Kontraindikation gewandelt.

Allerdings, das sei an dieser Stelle ehrlich gesagt, sind die Grenzen zwischen der relativen und gesundheitlichen Kontraindikation einer Implantation oft fließend. Das hängt zum einen damit zusammen, dass gerade bei gesundheitlichen Aspekten oft der individuelle Fall entscheidender ist als eine eventuell vorhandene, gewöhnlich als Kontraindikation eingeschätzte Krankheit selbst.

Sprechen wir also zunächst - ganz ohne feste Einordnung - von allgemeinen Kontraindikationen. Im gesundheitlichen Bereich gehören hierzu:

  • Immunsuppression nach einer Transplantation
  • Autoimmunerkrankungen und Immundefekte
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Ausgeprägte Stoffwechselerkrankung
  • Schwere Gerinnungsstörungen
  • Ein Diabetes mellitus, der nicht vollständig unter Kontrolle ist
  • Eine laufende oder noch nicht lange zurückliegende Chemotherapie
  • Knochenerkrankungen und Knochentumore
  • Verschiedene Medikamente, wie beispielsweise die Einnahme von Bisphosphonaten

Neben den gesundheitlichen Aspekten, ist jedoch auch die persönliche Lebensweise eines jeden Patienten relevant. Zu Verhaltensweisen, die eine Implantation gefährden, können gehören:

  • Der Konsum von Drogen
  • Der Konsum von Alkohol
  • Starke Nikotinabhängigkeit bzw. starkes Rauchen
  • Mangelnde Mitarbeit des Patienten (näheres hierzu später)

Viele dieser Kontraindikationen sind relativ, da sie entweder zeitlich begrenzt sind, verändert werden oder als kalkulierbares Risiko in die Planung mit einbezogen werden können.

Haben Sie beispielsweise gerade eine Chemotherapie hinter sich, so werden wir Ihnen vermutlich dazu raten, mit Ihrem Wunsch nach Implantaten noch etwas zu warten. Gerne kontrollieren wir mit Ihnen gemeinsam, wie sich Ihr Zustand bessert und entscheiden dann in Absprache mit Ihnen, wann Sie und Ihr Körper bereit sind für eine Implantation.

Diabetes mellitus war früher eine absolute Kontraindikation. Heute können wir bei einem gut eingestellten Diabetes gut damit umgehen und sehen keinerlei Probleme. In einigen Fällen ist aufgrund der Erkrankung ggf. jedoch mit einer langsameren Wundheilung zu rechnen.

Ist Ihr Diabetes instabil, also schwanken die Blutzuckerwerte stark, ist das Risiko als relativ zu betrachten. Generell wünschen wir uns, dass der Diabetes gegebenenfalls mit Hilfe eines Facharztes erst gut eingestellt wird. In jedem Fall wiegen wir hier Kosten und Nutzen mit Ihnen ab und treffen die Entscheidung dann gemeinsam mit Ihnen individuell.

Ähnliches gilt für andere, oben genannte gesundheitliche Kontraindikationen. Immer muss eine genaue klinische und bildgebende Untersuchung, oft auch unter Anwendung der 3D-Diagnostik offene Fragen vorab klären. In sehr vielen Fällen können wir Ihnen den Wunsch nach einer Implantation erfüllen - in anderen finden wir gemeinsam eine adäquate Lösungsalternative, die Sie ebenfalls glücklich macht.

Gewohnheiten, die auch eine Rolle spielen wenn es um relative Kontraindikationen für eine Implantation geht, sind oft deutlich leichter abzulegen als Krankheiten. Wir möchten zu Ihrem Verständnis noch etwas genauer auf die oben genannten Aspekte eingehen.

Grundsätzlich ist der Konsum von Drogen wie der von Medikamenten zu betrachten. Da einige Drogen auch einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Mundgesundheit haben, können Drogen die Durchführung und das Ergebnis einer Implantation stark beeinflussen. Je nach Substanz können über sehr unterschiedliche Wirkungsweisen die Mundhygiene und auch die Wundheilung stark beeinträchtigt sein. Bei Konsumenten von Crystal Meth wird ein verminderter Speichelfluss beobachtet. Dieser kann dazu führen, dass sich Bakterien auf den Zähnen leichter anlagern können und so vermehrt Kariesbefall stattfindet. Gleichzeitig kann der Konsum auch die Wundheilung stören.

Letzteres gilt auch bei einem übermäßigen Konsum von Alkohol sowie dem Rauchen von Zigaretten. Beim Rauchen haben sich etwa 10 Zigaretten pro Tag als verhältnismäßig unproblematisch erwiesen, auch hier kommt es jedoch darauf an, wie gut Ihre generelle Wundheilung ist. Ab einem Konsum von 20 Zigaretten pro Tag und mehr wird aus einer relativen Kontraindikation eine absolute Kontraindikation. In diesem Fall sollten Sie Ihr Rauchverhalten dringend verringern, um eine Implantation bzw. die Implantate nicht zu gefährden.

Übrigens: Auch der Konsum von koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee oder Cola sollte während der Wundheilungsphase eingestellt oder doch zumindest reduziert werden.

Dies führt uns zu einem weiteren Punkt aus dem Bereich Verhaltensweisen und Ihre Mitarbeit. Wir Ärzte können mit unserer Arbeit nur die Grundlage Ihrer Genesung liefern. Darüber hinaus bedarf es dazu aber auch dass Sie die Wunden, Implantate und den Zahnersatz optimal pflegen, damit das Ergebnis langfristig erfolgreich sein kann.

Nach der erfolgten Implantation laden wir Sie außerdem zu mehreren Kontrollterminen ein. Auch hierbei legen wir Ihnen dringend nahe, diese auch wahrzunehmen. In den Kontrollterminen überprüfen wir unter anderem den Sitz der Implantate und den Heilungsprozess. Liegt dieser aus unterschiedlichen Gründen hinter den Erwartungen, können wir noch rechtzeitig eingreifen, so dass das Implantat nicht gefährdet wird.

Wünschen Sie sich ein Implantat und festsitzenden Zahnersatz, so arbeiten wir gemeinsam an einem Ziel. Durch unsere und Ihre Mithilfe kann auf diese Weise aus so manch einer absoluten Kontraindikation eine relative oder sogar gar keine Kontraindikation werden.