Distraktionsosteogenese

Die Distraktionsosteogenese ist eine andere Maßnahme des Knochenaufbaus. Ähnlich wie die Guided Bone Regeneration macht sich auch die Distraktionsosteogenese die Selbstheilungskräfte des menschlichen Körpers zu Nutze.

Nicht immer konnte sich der Mensch auf eine umfangreiche medizinische Versorgung verlassen und so hat sein Körper schon früh gelernt, sich nach kleineren Unfällen selbst zu helfen. Entsteht zum Beispiel eine Fraktur, also ein Bruch, so sendet das den Bruch umgebende Weichteilgewebe Signale aus, die dem Körper zeigen, dass er Knochen- und Gefäßgewebe neu bilden soll. Fachlich wird dieser Vorgang als sekundäre Knochenheilung bezeichnet.

Diesen natürlichen Vorgang machen wir uns in der Distraktionsosteogenese zu Nutze, indem wir operativ Teile des Kieferknochens voneinander trennen und so einen kontrollierten Bruchspalt entstehen lassen. Ihr Körper wird daraufhin mit Knochenneubildung reagieren und so deutlich bessere Voraussetzung für eine Implantation bzw. für das Einheilen der Implantate schaffen.

Die Methode des Knochenaufbaus durch Distraktionsosteogenese ist vergleichsweise Komplex, so dass wir hier nicht in allen Details auf diese eingehen können. Grob möchten wir Ihnen dennoch erklären, wie der Ablauf einer Distraktionsosteogenese ist.

Die Distraktionsosteogenese lässt sich in fünf Phasen aufteilen, die wie folgt aussehen:

  1. Unter örtlicher Betäubung wird die Schleimhaut vorsichtig eröffnet und anschließend ein kontrollierter, gleichmäßiger Knochenbruch hervorgerufen. Die jetzt beweglichen Knochenteile werden mit Pins, kleinen Knochennägeln, in Position gehalten, so dass sie auch während der Knochenneubildung nicht verrutschen können. Eine Schraube, die ebenfalls eingebracht wird und sich später über der Schleimhaut und für uns gut erreichbar befindet, dient uns später dazu, den Bruchspalt Stück für Stück zu vergrößern. Anschließend wird die Wunde wieder sorgfältig vernäht.
  2. Anschließend geben wir der entstandenen Wunde eine gute Woche Zeit, zu verheilen. In diesem Zeitraum kommt es auch bereits zur ersten Gefäßneubildung.
  3. Nach der ersten Heilphase wird der sogenannte Distraktor, also das kieferchirurgische Gerät, welches den Knochenspalt auseinanderhält, mittels Stellschraube erweitert. Der Knochenspalt wird so verschoben und es kann sich solange neues Knochenmaterial bilden, bis das gewünschte und benötigte Ergebnis zur Implantation erreicht ist. Im Schnitt verstellen wir den Distraktor um 0,8 bis 1 mm. Dabei ist es besonders wichtig, dass wir nicht zu schnell und nicht zu langsam vorgehen. Bei einem zu schnellen Vorgehen besteht die Gefahr, dass die Knochenneubildung nicht hinterherkommt und das Knochenangebot auch später nicht ausreichend ist. Ein zu langsames Vorgehen hingegen kann es zu einer zu frühzeitigen Verknöcherung kommen, womit das Ziel am Ende ebenfalls nicht erreicht wird.
  4. Ist die dritte Phase abgeschlossen, müssen wir dem Körper Zeit geben das vorhandene Ergebnis zu stabilisieren, damit es nicht zu einem erneuten Knochenabbau kommt.(Übrigens können Sie diesem auch mit einer sorgfältigen Mundhygiene entgegen wirken). Etwa drei Monate haben sich in unserer Praxis als sinnvolle Zeitspanne erwiesen, ehe wir zur Phase fünf derDistraktions­osteogenese übergehen können.
  5. Nach Abschluss der vorangegangenen Stabilisierungsphase wird in einem zweiten operativen Eingriff der Distraktor wieder entfernt. Danach müssen Sie sich noch etwa ein- bis zwei Wochen gedulden, in denen die Wundheilung stattfindet, ehe wir Ihnen endlich Ihre gewünschten Implantate bescheren können.

Wie eingangs erwähnt, ist das Verfahren vergleichsweise Komplex, bringt aber gleichzeitig auch einige Vorteile mit sich. Kommt eine Distraktionsosteogenese für Ihre Behandlung und Ihren Knochenzustand in Frage, informieren wir Sie in einem Beratungsgespräch gerne umfangreich und gehen auf alle Ihre Fragen ein.